Susak

Susak ist sowohl ihrer Entstehung als auch ihrem Aussehen nach eine einzigartige Insel in der Adria. Die dicken Schichten feinen gelblichen Sandes wurden vor Ewigkeiten von Winden auf die Kalkplatte geweht, und die Menschen haben seit eh und je um ihre Landwirtschaftsgüter herum Schilf angepflanzt, dessen Wurzeln auf der Suche nach Wasser tief in den Boden eindringen und ihn vor Erosionen schützen. 

Die Insel erschien bereits sehr früh auf Seekarten, zuerst unter dem romanischen Namen Sansacus oder Sansegus, was wahrscheinlich von „sampsychon“ (griechisch für „Majoran“) stammt und woraus die kroatische Bezeichnung Susak entstanden ist. Ihre erste urkundliche Erwähnung datiert aus der Mitte des 9. Jahrhunderts, als sich in ihren Gewässern die Sarazenen und die Venezianer ein Gefecht lieferten.

Ihre größte Einwohnerzahl verzeichnete die Insel Susak nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In den 1960-er Jahren kam es zu einer großen Auswanderung in die USA. Man rechnet, dass heute in den USA mehr als 2500 von Susak abstammende Menschen leben, die meisten davon im Bundesstaat New Jersey. Seit 1985 feiert man auf der Insel den Tag der Auswanderer, und zwar am letzten Sonntag im Juli. Die erste Siedlung, deren Anfänge in römische Zeiten zurückreichen, ist auf dem fruchtbaren Plateau entstanden und wird Gornje selo ( dt. Oberdorf) genannt, während das im Hafen liegende Donje selo (dt. Unterdorf) neuer ist und in der Blütezeit des Weinbaus Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Wegen ihrer Isoliertheit hat die Insel Susak ihren (als immaterielles  Kulturgut geschützten) archaischen Dialekt, ihre spezifischen Bräuche und ihre malerische Tracht erhalten.

TRACHT

Die Bräuche der weiblichen Traditionsbekleidung sind auf der Insel Susak sehr gut erhalten, so dass sich mehrere Varianten unterscheiden lassen, die an ein gewisses Lebensalter oder an bestimmte Anlässe geknüpft sind. Die ältere Variante der Susaker Tracht, die s. g. po susacku (dt. „auf Susaker Art“) zeichnet sich durch eine bis zum Hals geschlossene weiße Stoffbluse (kosula), eine Weste  (bust), mit der die Taille festgezogen und betont wird, und einen Latz (bravaruol), der über die Brust bis zur Hüfte fällt, aus. Von der Hüfte abwärts wird der Körper von einem schwarzen oder glänzenden Rock (kamizot) überdeckt, der reich gefaltet ist und aus sogar 7 Ballen baumwollenen appretierten Materials gefertigt ist. Der untere kamizot hat den gleichen Schnitt wir der obere, er ist lediglich weiß. Der unterste Rock heißt sukna skarlata (dt. „roter Rock“) und hat einen viel engeren Schnitt; er ist rot und aufwendig mit Spitze und bunten Bändern verziert. Beim Tanzen werden die beiden oberen kamizots angehoben und tritt die sukna skarlata zum Vorschein. Die unterste Bekleidungsschicht sind die mit Spitze verzierten Unterhosen (mudande). An den Füßen werden gestrickte Wollstrümpfe (kalcete), die manchmal rot sind, sowie verschiedenfarbige Stoffstrümpfe, Pantoffeln oder Stoffschuhe getragen. Auch die Frisur ist spezifisch. Die Haare werden zum Mittelscheitel gekämmt, und die beiden vorne eingewickelten Strähnen (rici) fallen frei ins Gesicht. Die restlichen Haare werden zu einem Zopf geflochten, der auf dem Kopf flach in Form eines Kuchens (kokum) zusammengewickelt wird, und darüber wird ein Tuch (facuol) mit Schachfeldmuster in roter Farbe oder in dunklere Farben gelegt. Eine etwas modifizierte und simplifizierte Variante der Tracht po susacku kann man noch heute an einigen älteren Damen auf der Insel bewundern.

Die zweite, neuere Variante der Tracht heißt po losinsku (dt. „auf Lošinjer Art“) und ist, wie schon ihr Name verrät, unter dem Einfluss der Lošinjer Mode Ende des 18. Jahrhunderts entstanden. Die Tracht po losinsku wurde von junge Damen bei festlichen Anlässen getragen und ist in ihrer prächtigsten Form in der Hochzeitskleidung der Braut erhalten geblieben. Sie besteht aus einer rosafarbenen Seidenbluse (zabajka), die an dem Brustteil, dem Oberrückenteil und den Ärmeln mit verschiedenfarbigen Bändern, Spitze, Metallfäden und Glaskugeln reich verziert ist. Dazu wird ein ebenfalls rosafarbener Faltenrock (kamizot na faldice) getragen, über den eine Schürze (tarvijerslica) aus rosafarbener Seide mit breitem Saum kommt, die in gleicher Weise wie der Brustteil bzw. die Ärmel der zabajka verziert ist. Darunter werden drei Unterröcke getragen, die stark versteift (inkolane) und im unteren Teil mit einem breiten Volant verstärkt sind. Auch bei der Tracht po losinsku gibt es einen enger geschnittenen untersten Rock, der sukna rakamana (dt. „bestickter Rock“) heißt und noch aufwendiger als bei der Tracht po susacku verziert ist. Die unterste Bekleidungsschicht sind auch hier die mit Spitze verzierten mudande. An den Füßen werden rosafarbene kalcete und Lederschuhe getragen. Die Braut trägt eine Hochzeitskrone auf dem Kopf, die jirlanda i vijel (dt. „Girlande und Schleier“) heißt. Die letzte Hochzeit in der traditionellen zabajka wurde auf der Insel Susak in den fern zurückliegenden 1980-er Jahren verzeichnet! Zwar ist die Susaker Tracht nach ihren ausgesprochen kurzen Röcken (eigentlich Miniröcken) bekannt, aber dabei ist anzumerken, dass diese Verkürzung der Röcke erst in den 1920-er Jahren unter dem Einfluss der bürgerlichen Mode eingetreten ist. Vorher reichten die Susaker kamizots bis zur Wadenmitte.

WIRTSCHAFT

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war auf Susak Mischwirtschaft anzutreffen: an erster Stelle der Getreideanbau (Weizen , Gerste, Ackerbohnen u. Ä.), danach der Weinbau, die Schafzucht und der Fischfang. So lange diese Wirtschaftsarten Bestand hatten, verlief die wirtschaftliche Entwicklung von Susak schneller als jene von Veli Lošinj und Mali Lošinj, so dass der im Jahr 1650 von Susak gezahlte kirchliche Zehnt 400 venezianische Lira betrug (genauso viel wie jener von Unije), während Lošinj nur 320 Lira abführte. Vom einstigen intensiven Getreideanbau zeugt auch die Größe der gemeinschaftlichen Dreschtenne, die sich an der Stelle der heutigen großen Zisterne in Gornje selo befand. Später, Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert kam es auf Susak, parallel zum wirtschaftlichen Erfolg von Lošinj, zur Spezialisierung für Weinbau und Fischfang, während der Getreideanbau und die Schafzucht allmählich verschwanden. Olivenbäume wurden wegen des unfruchtbaren Bodens nie kultiviert. Die Landwirtschaft von Susak ist aus einigen Gründen spezifisch: Auf der Insel gibt es weder Nutzvieh (Ochsen, Esel) noch Wagen, weder Pflugeisen noch Pflugsterze, alle Arbeiten wurden mit Händen und Handwerkzeugen verrichtet, und auch der gesamte Transport auf der Insel wurde mit reiner Menschenkraft ausgeführt (von Männern auf dem Rücken, von Frauen auf den Köpfen). Als Hauptwerkzeug diente eine rechteckige Hacke mit kurzem Griff, mit welcher der Boden gehackt, der Schilf geschnitten sowie die Schilfterrassen, die Wege und die Engpässe (schmale im Sand eingeschnittene Durchgänge) instandgehalten wurden. Da sich Ende des 18. Jahrhunderts sämtliche Tätigkeiten auf Weinproduktion und Fischfang ausrichteten, mussten alle sonstigen Lebensmittel importiert werden. 

Jeder Susaker war ein völlig unabhängiger Unternehmer: gleichzeitig Weinbauer und Fischer, Matrose, Groß- und Einzelverkäufer sowie Groß- und Einzelkäufer. Seine Weintrauben, seinen Wein und seinen gesalzenen Fisch transportierte er selbstständig mit einem Segel- oder Ruderboot (der erste Bootmotor erschien in Susak erst 1929) nach Cres und Lošinj oder auch nach Istrien als das nächstgelegene Festland, wo er seine Waren selbstständig verkaufte oder gegen andere Güter tauschte. So hatte ein Quintal (100 kg) Trauben den Gegenwert von 6 kg Schafkäse, 10 l Olivenöl, 4 Quintal Holz oder 5 kg Wolle. Die Feudalverhältnisse dauerten auf Susak bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts an, denn Susak stand — genauso wie die benachbarten Inseln Ilovik und Unije — im Feudalbesitz des Bistums von Osor und später des Bistums von Krk. Deshalb waren die Susaker verpflichtet, dem Bistum von Osor ein Drittel (im 19. Jahrhundert ein Viertel) aller Naturalerträge von Most, Getreide, Ackerbohnen u. Ä. zahlen. Ferner mussten sie den Zehnt von der Ernte (intrada) für den Bedarf der lokalen Kirche abführen. Darüber hinaus mussten sie die Kopfsteuer (Steuer nach der Anzahl der Köpfe in der Familie) und das Fisch-Zwanzigstel, dessen Pflichtige alle Eigentümer von Zugnetzen waren, entrichten. All dies stellte eine ausgesprochen hohe Belastung für die ohnehin arme Insel dar (jeden dritten bzw. vierten Tag mussten die Susaker für den Bischof arbeiten!), so dass es nicht verwunderlich ist, dass die kirchlichen Steuereintreiber im Volk äußerst unbeliebt waren. Besonders unbeliebt war aber einer von ihnen, nämlich der auf einem Auge blinde Bruder des Bischofs, so dass die Susaker sogar in ihren Gebeten seiner gedachten:

„Herr, bewahre uns vor Pest, Hunger und Krieg sowie vor dem blinden Bischofsbruder!“

Die Insel ist durch eine tägliche Schiffslinie mit Mali Lošinj und durch eine Katamaranlinie mit Rijeka verbunden.


GRUNDINFORMATIONEN:
 
Hauptsiedlung: Susak, Insel Susak (Gebiet der Stadt Mali Lošinj)
Fläche: 3,77 km2
Küstenlinienlänge: 12 921 km
Einwohnerzahl: 151
Verkehr
Das Gebiet der Insel Susak wurde zu einer Fußgängerzone erklärt. Auf der Insel fahren keine Fahrzeuge, außer Traktoren, Notfallwagen, Motorrädern und Fahrrädern. Die Wege sind unbefestigte oder befestigte Fußgängerpfade. Der historische Ortskerns von Susak ist wegen Wasserdurchlässigkeit aus Naturstein oder Ziegel erbaut. Auf Stränden, Promenaden und Grünflächen herrscht Fahr- und Abstellverbot für Fahrräder und Motorräder.
Wasserversorgung
Die Wasserversorgung der Insel Susak erfolgt durch Trinkwasserschiffe.
Anreise
Die Insel Susak können Sie entweder per Linienschiff aus Mali Lošinj oder per Linienkatamaran aus Rijeka und Mali Lošinj erreichen. Auf der Insel Susak sowie auf allen benachbarten Inseln des Archipels von Lošinj gibt es keine Autos, die wichtigsten Transportmittel sind Minitraktoren und Schubkarren.

NÜTZLICHE INFORMATIONEN:

Ambulanz/Arztpraxis:
Susak bb
Öffnungszeiten: 
Januar – Dezember, 9 — 11 Uhr 
T: +385 51 239 003
Apotheke: nicht vorhanden
Touristisches Informationszentrum
Das Touristische Informationszentrum Susak befindet sich im Bürgerhaus. Es ist in den Sommermonaten geöffnet. Im Touristischen Informationszentrum Susak können Gäste Ihre Anmeldung vornehmen und Informationen über die Insel erhalten.
Postamt:
Susak bb
T: +385 51 239 118
Möglichkeit zum Geldabheben und Geldwechsel
Bank: nicht vorhanden
Geldautomat: nicht vorhanden 
Wechselstube: im Postamt
Fahrrad- oder Motorradverleih: nicht vorhanden
Internet: 
in den meisten Gaststätten
HAFEN SUSAK und Ankerplatz Bok
Susak 396
M: +385 95 8493 664
E: alen.hosic@gmail.com
W: luka-susak.com
Dienstleistungen: Anlegen/Ablegen von Booten im Hafen, Wasser- und Stromversorgung
Ankerplatz Bok: 30 Bojen
STRÄNDE — Buchten Bok und Dragočaj
Sansego
T: +385 1 2317 557
M: +385 98 828 274
E: pdavor@gmail.com
Verleih: Liegestühle, Sonnenschirme aus natürlichen Materialien und Tretboote;
Internet und Unterhaltungsangebot

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